Anfang November veranstalteten die Wirtschaftsjunioren aus Brandenburg an der Havel ihre 7. ‚fckupN8’. Die lange Nacht des Scheiterns lockte über 100 Besucher in die Turbine.
Die sogenannten „Fuck Up Nights“ widmen sich dem Scheitern, insbesondere im unternehmerischen Kontext, aber auch darüber hinaus. Rückschläge, Niederlagen, Fehler machen – all dies wird auf vielen gesellschaftlichen Ebenen als ein Makel angesehen, zumindest in Deutschland. In Ländern wie USA oder Israel wird ein gescheitertes Unternehmensvorhaben dagegen als wertvolle Erfahrung betrachtet, die zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung beiträgt. So haben das auch die drei gescheiterten Helden in Brandenburg erlebt. Sie zeigten dem Publikum, dass es darauf ankommt, wieder aufzustehen und weiter zu machen. Ganz so wie der Vogel Phönix, der am Ende seines Lebens in Flammen aufgeht, um dann in neuer Schönheit aus seiner eigenen Asche wieder aufzuerstehen.
Prominentester Akteur des Abends war Alexander Haase, der von 2014 bis 2019 Co-Trainer der Handball-Nationalmannschaft war. Zusammen mit Trainer Dagur Sigurdsson führte er die Nationalmannschaft 2016 zum Europatitel und im gleichen Jahr bei Olympia zur Bronzemedaille. An die Erfolge konnte die Mannschaft in den Folgejahren jedoch nicht anknüpfen. Bei der EM 2018 scheiterte der Titelverteidiger in der Hauptrunde und bei der Heim-Weltmeisterschaft 2019 belegte sie den undankbaren vierten Platz. In seinem Vortrag führte Alexander Haase Gründe für Erfolg und Mißerfolg der Mannschaft an. Er selbst geriet in ein Burnout und schied aus seinem Amt aus. Heute ist der studierte Gymnasiallehrer Lehrertrainer an der Potsdamer Sportschule und hält Vorträge zum Thema Führung und Teambuilding.
Auch Aline Kramer, die zweite Rednerin des Abends, erlebte einen Burnout. Sie beendete darauf hin ihr Arbeitsverhältnis und gründete 2012 eine eigene psycho-soziale Beratungsfirma. Seit drei Jahren betreibt sie in Brandenburg eine Zweigstelle.
Den umgekehrten Weg ist Thorsten Weber gegangen. Nachdem er als Unternehmer viele Ideen und Erfolge hatte, aber eben auch Mißerfolg und Insolvenzen erlebt hat, arbeitet er heute in einer Festanstellung, die ihm viele unternehmerische Freiheiten gewährt. Von seinen Erfahrungen profitiert er heute, denn er kennt die Fallstricke bzgl. Teamzusammensetzung, Standort, Technikentwicklung und Finanzierung.
„Viele denken, so ein Unternehmerleben vollzieht sich einfach und glatt“, sagt Stefanie Rinkenbach, WJ-lerin aus Brandenburg an der Havel und Organisatorin des Events. „Doch wer unternehmerisch oder selbstständig tätig ist, weiß: Um Erfolg zu haben, muss ich die Treppe nehmen und nicht den Lift. Und wenn ich hinfalle, kommt es darauf an, wieder aufzustehen.“
