Zu Gast beim Humboldt von Australien

Foto: Brigitte Menge

In Australien ist er bekannt wie bei uns Alexander und Wilhelm von Humboldt: Ludwig Leichhardt (1813–1848?). Ein Stadtteil von Sydney sowie Pflanzen und Tiere sind nach ihm benannt. Ein Abenteurer, ein Pionier. Der Entdecker, Zoologe, Botaniker und Geologe wurde am Westufer des Schwielochsees geboren. Die Natur hat es mit der Gegend dort gut gemeint.

Die Spuren des Australienforschers, dessen wissenschaftliche Leistungen in Down Under bis heute gewürdigt werden, sind in der Region zwischen Beeskow im Landkreis Oder-Spree und Spreewald allgegenwärtig. Geboren wurde Ludwig Leichhardt in Sabrodt, heute ein Ortsteil von Trebatsch. Der kleine Ort nennt sich stolz Leichhardtgemeinde. Schon als Kind zeigte der Sohn eines Torfinspektors großes Interesse an der Natur. Dorfpfarrer Rödelius sorgte dafür, dass der wissbegierige Junge das Gymnasium in Cottbus besuchen konnte. Leichhardts Geburtshaus in Trebatsch ist heute ein kleines Museum (Öffnungszeiten nur nach telefonischer Vereinbarung, Telefon: 0151-42099026), das durch sein abenteuerreiches Leben führt. Der preußische Forscher kam 1842 in Australien an, wo er bis zu seinem rätselhaften und inzwischen mythenumrankten Tod lebte, beobachtete, analysierte, erkundete. Und natürlich gibt es in der Heimat des Wissenschaftlers Orte, die seinen Namen tragen oder an ihn erinnern. So wie die Leichhardt-Stele im Wasser des Schwielochsees in Goyatz. Das Denkmal aus Edelstahl, Bronze und Glas schuf die australische Künstlerin Sue Hayward zum 200. Geburtstag des Forschers. Vom Museum in Trebatsch bis zur Stele sind es knapp 10 Kilometer. Immer wieder öffnet sich auf diesem Weg der Blick auf Wasser.

Foto: www.spreewald.de / Lena Tschuikow

Wer noch mehr Lust auf Bewegung hat, kann diese auf dem Leichhardt-Trail ausleben, der über 54 Kilometer von Trebatsch nach Branitz bei Cottbus führt. Die Strecke ist mit einem schwarzen Känguru auf gelbem Grund gekennzeichnet. „Es ist der Weg des jungen Leichhardt von zu Hause zum Gymnasium“, erklärt Odett Arnold, die ihr kompaktes Wissen um alles Sehenswerte in der Region in der Tourist Information im historischen Bahnhof von Goyatz an die Besucher weitergibt. „Leichhardt ging diesen Weg hin und zurück zu Fuß, heute ist es eine beliebte Radtour.“

Goyatz am Südufer des Schwielochsees ist ein guter Ausgangspunkt für die Entdeckung der Region, die gern als „Tor zum Spreewald“ beschrieben wird. Schon vor mehr als 100 Jahren wurde die Gegend mit ihren vielen Seen, weitläufigen Wäldern, natürlichen Auenlandschaften, sanften Wiesen und mystischen Mooren zum Sehnsuchtsort vieler Großstädter. Und noch immer zieht die Region Aktivurlauber und Naturfreunde gleichermaßen an. Sie punktet mit vielen Möglichkeiten zu Aktivitäten auf, im und am Wasser und lockt zugleich, den wunderbaren Luxus des Nichtstuns in göttlicher Stille zu genießen.

Romantiker beschreiben den Schwielochsee als malerisch, Pragmatiker als groß. Und beides stimmt. Mit einer Wasserfläche von über 13 Quadratkilometern ist er der größte natürliche See im Land Brandenburg, dem zudem jährlich eine hervorragende Wasserqualität bescheinigt wird. Er ist direkt mit dem Glower See und dem darüber liegenden Leißnitzsee verbunden. Hinzu kommen der Mochowsee und viele kleinere Gewässer. Ein Paradies für Kanus, Paddel-, Segel- und Motorboote und natürlich für Schwimmer und Strandlieger. Badestellen mit Sandstrand gibt es viele, so in Niewisch am Ostufer des Schwielochsees und in Goyatz.

Der staatlich anerkannte Erholungsort Goyatz ist Heimathafen des Fahrgastschiffes „Schwielochsee“, das mit Frühlingsbeginn wieder einlädt, den See mit seinen naturbelassenen Ufern vom Wasser aus zu entdecken. Ein Haltepunkt auf der Seen-Tour ist der Naturcampingplatz in Zaue. Dieser trägt – und das wundert jetzt niemanden mehr – den Namen Ludwig Leichhardt und erstreckt sich über rund zwei Kilometer entlang des Ufers.

Natur zu entdecken gelingt hier auf Schritt und Tritt und meist ist der abenteuersuchende Naturforscher Begleiter. Auch der insgesamt 32 Kilometer lange Naturlehr- und Erlebnispfad trägt den Namen Leichhardts. Der Naturlehrpfad ist damit einer der längsten Deutschlands. Dahinter steht der Gedanke, Wissen um die Moor- und Seenlandschaft mit ihrer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt zu vermitteln und eine pfiffige Idee: Es gibt sechs verschiedene Wanderwege. Natter, Otter, Reh, Kranich, Biber oder Wildnis widmen sich ausgewählten Themen der beeindruckenden und vielfältigen Natur. Mit ihren Längen zwischen 2 Kilometern (Natterpfad) und 8 Kilometern (Otter-, Kranich- und Wildnispfad) sind sie für Spaziergänge mit Kindern bestens geeignet und kombinierbar, so ist es beispielsweise möglich, Reh- und Biberpfad in einer Tour zu laufen. Die Namensgeber der Pfade helfen als Symbole auf den Wegweisern, immer auf dem richtigen Wanderweg zu bleiben. Neugier und Wissensdrang stillen die verschiedenen Stationen, die Flora und Fauna sowie Erdgeschichtliches anschaulich erklären.

Viele weitere Tipps, Karten und praktische Hinweise haben die freundlichen Mitarbeiterinnen in der Tourist-Information in Goyatz. Sie kennen die Geschichte und Geschichten der Region, Ausleihstationen für Boot und Rad, die Park- und Picknickplätze und verraten gern, wo es das leckerste Eis und selbstgebackenen Kuchen gibt.

www.TEG-LDS.de
www.schwielochsee-schiffstour.de